Archiv für den Monat: März 2013

Eine Story im Cowdfunding erzählen ist wichtig

Wie bei jedem Produkt oder bei einer Dienstleistung ist die Story ausschlaggebend. Keiner kauft zunächst ein Produkt wegen der Qualität oder der Wirkung, sondern einzig wegen der Story. Das Gleiche gilt auch beim Crowdfunding. Allerdings erweist sich das Storytelling oftmals als ein wenig hilflos und frei schwebend im Raum. Ein Grund oft dafür, dass nur wenige Investoren, Geldgeber Interesse zeigen. Viel zu wenige Gründer setzen dabei auf professionelle Story Schreiber, die eigentlich zum normalen Tagesbild bei Produkten, Dienstleistungen und Gründern zählen. Im Crowdfunding ist die Inanspruchnahme dieser Dienstleister aber noch selten zu finden. Was eigentlich überrascht. Denn mit einem Blick auf die Zahlen erkennen wir einen wahren Aufwärtstrend. Denn eines gilt auch beim Crowdfunding. Krisen gibt es nicht. Die Nachfrage auf beiden Seiten (also Gründer und Unterstützer) ist auch bei Krisen gleich hoch.

Kleiner Blick in die Zahlen

Mit Anfang 2011 fing es bei uns an. Die Schwarmfinanzierung nahm in Deutschland Einzug. Immer mehr Plattformen erkannten den Trend aus den USA. Die Schwarmfinanzierung, also das Crowdfunding, was eigentlich schon uralt ist, aber erst jetzt durch das Internet seinen Weg finden konnte. So konnten in der Anfangszeit über das Crowd auch nur gerade einmal 400.000 Euro im Jahre 2011 eingesammelt werden. Bescheiden, aber dennoch für eine neue Dienstleistung mit einem enorm hohen Risiko doch durchaus bemerkenswert. Für 2012 liegen bereits (noch nicht abschließende) Zahlen vor. Schätzungen demnach befand sich die Crowdfinanzierung bei 4 – 5 Millionen Euro in Deutschland. Die Zahl scheint gering. Bedenken muss man jedoch, das es immer noch viele Kleinstprojekte mit einem Bedarf zwischen 500 – 2000 Euro gibt, wodurch die Zahlen so niedrig erscheinen. Doch bereits für 2013 liegen Schätzungen vor, dass der Markt für Crowdfinanzierungen bei ungefähr 20 – 30 Millionen liegen wird. Rechnet man einmal die durchschnittliche Gebühr der Anbieter (von 5 – 10 Prozent) bei 8 Prozent ein, kommen so Provisionen von 1.6 Millionen schätzungsweise zustande, die bei den Crowd Anbietern verbleiben werden. Marktführer in Deutschland ist derzeit Seedmatch (mit einem Anteil von 2/3).
Natürlich verdienen viele Plattformen auch intern, durch die Vermittlung von Experten und Rechtsanwälten. Das ist vor allem möglich, da sich viele der Betreiber zum Beispiel der BaFin Aufsicht entziehen. Somit müssen sie auf mögliche Interessenkonflikte keine Rücksicht nehmen.

Doch zurück zur Story

Ausschlaggeben für Gründer sind aber die Crowd Plattformen auch oft deshalb, da die User weniger fachspezifische Fragen stellen. Also weniger an dem Konzept und der Kalkulation interessiert sind. Das hat sowohl Vor- und Nachteile. Für Gründer, die genaue Nachfragen der Banken scheuen, bietet sich somit ein einfacherer Zugang zum Crowd an. Für User, also die möglichen potenziellen Unterstützer, wird damit das Risiko deutlich in die Höhe getrieben. Das Ausfallsrisiko liegt, so schätzen Experten, bei über 65 Prozent. Deutlich mehr als bei jeder anderen riskanten Anlage.

Doch das soll keinesfalls bedeuten, das die Crowd Anbieter die Gründer nicht prüfen. Viel mehr fehlt eigentlich Erfahrung und Kompetenz, um Gründer aussagefähig unter die Lupe zu nehmen. Doch auch hier lässt sich im Gegensatz zu 2011 schon eine Besserung erkennen. Wir sind somit optimistisch, dass in 5 Jahren Plattformen bestehen werden, die über umfangreiche Werkzeuge zur Prüfung, also zum Schutz des Kunden, verfügen. Ob der Marktführer Seedmatch dann noch eine Rolle spielen wird, bleibt abzuwarten.

Zur guten Story gehören aber nicht nur Zahlen und Konzepte, sondern hauptsächlich ein Video. So ist auch die visuelle Darstellung zu 80 Prozent ausschlaggebend für die Unterstützer. Ein Großteil der Investoren kommt nicht aus dem Bereich und entscheidet somit eher subjektiv. Ausstrahlung und Sympathie entscheiden also im Video. Eine attraktive Gründerin kann also mehr überzeugen als die Idee. Das ist das derzeitige Konzept im Crowdfunding.

Massenmedien wie Facebook und Twitter halten vor allem her für die Werbung. Hier lassen sich Ideen schnell an den Mann oder die Frau bringen. Zeigt aber gleichzeitig auch, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Das weiß auch der Marktführer Seedmatch, der dieses geschickt zu seinen Gunsten nutzt. Denn immerhin konnte der Anbieter alleine 2012 fast 2/3 der Kapitals bei der Crowd Finanzierung für sich beanspruchen. Dennoch sollte jeder Gründer immer beachten, sich ein Netzwerk von Beratern aufzubauen. Dazu gehören auch Business Angels. Und diese bezweifeln den nachhaltigen Erfolg vom Crowdfunding, was die Zahlen auch belegen. Dennoch ist es wie bei jedem neuen Produkt. Erst nach einigen Jahren kann sich dieses im Markt etablieren und erste richtige Erfolge vorweisen. Bis dahin haben wir also noch genügend Zeit im Crowdfunding. Und wir sind uns sicher, dass wir in den nächsten Jahren ausgereifte Plattformen mit kompetenten Menschen dahinter erwarten können und sehen werden.

Die Rangfolge

Wie bereits aufgeführt, ist Seedmatch derzeit Marktführer. Das dürfte sich aber in den folgenden Jahren noch ändern. Denn zunächst werden wir einen wahren Boom von Betreibern erkennen können. Schließlich wird es zu einer Art Martkbereinigung kommen und eine neue Rangordnung wird für viele Jahre den Markt bestimmen. Bis dahin werden aber noch 5 – 10 Jahre vergehen. Somit ist die Marktaufteilung (Quelle: LMU Forschungsdatenbank  Crowdinvesting, Stand 01. März 2013) folgende:

1. Platz: Seedmatch mit einem Marktanteil von fast 2/3
2 und 3. Platz: Gefolgt von Innovestment und Companisto.

Diese drei beherrschen den Markt derzeit. Andere verfügen über keine nennenswerten Zahlen oder Erfolge.