Bookbuilding Verfahren / Bewertungsverfahren im Crowdfunding – Was steckt dahinter ?

Die Crowdfunding Plattformen versuchen jeder auf seine Art und Weise den Markt zu erobern. Fast alle jedoch haben eins dabei gemeinsam. Ein fantasievolles Bewertungsverfahren, das vor allem unerfahrene User täuscht. Auch wenn das Bookbuilding Verfahren am Aktienmarkt Standard ist, gehört es doch längst nicht unbedingt ins Crowdfunding. Wir haben mit einigen Anbieter gesprochen. In den Gesprächen mit Crowdfundingplattformen wurde immer wieder das jeweilige Bewertungsverfahren verteidigt.

Zitat : „Das Auktionsverfahren orientiert sich am klassischen Bookbuildingprozess und ist unserer Meinung der einzige Ansatz wie die Bewertungsproblematik beim Startup über ein intersubjektives Bewertungsverhalten der einzelnen Investoren aufgelöst werden kann.“

Daher nun unsere Meinung zu dem Bewertungsverfahren bei Crowdfundingprojekten

Das normale Bewertungsverfahren am regulären Kapitalmarkt basiert in der Tat oft auf dem Bookbuildingprozess. Dabei bildet sich der so genannte Emissionspreis aus der Konsortialbank, dem Emittenten und den Investoren. Auch wenn dieses Verfahren oft fragwürdig ist, hat sich in der Vergangenheit jedoch etablieren können. Noch bis in den 1990er Jahren hat man das Festpreis-Verfahren angewandt. Heute ist dieses jedoch kaum noch im klassischen Markt zu finden. Damit kann der Preis auch noch in der Zeichnungsfrist recht dynamisch auf mögliche Marktveränderungen reagieren.

Beim Bookbuildingverfahren werden vereinfacht ausgedrückt auch die Investoren gefragt, wie viel Geld Sie für eine Aktie bezahlen würden. Das bezeichnet man auch als das sogenanntes Marktaushorchen. Erst danach wird die Preisspanne festgelegt. Nun beginnt die das Ordertaking, in dem Angebote entgegengenommen werden. Letztendlich erfolgt nach der Annahme die Festsetzung des Emissionspreises und die Zuteilung (also der Verkauf) der Aktien.

Sollte beim Crowdfunding derselbe Ansatz gewählt werden ?

Fakt ist aber, das Crowdfunding nun einmal wenig mit dem regulären Kapitalmarkt oder mit Aktien zu tun hat. Auch handelt es sich nicht um klassische Investoren. Denn diese beteiligen sich in der Regel nicht am Crowdfunding. Bei den Investoren im Crowdfunding handelt es sich überwiegend um normale User, die wenig Erfahrung mit Finanzen und Anlagen mitbringen. Dieser Zielgruppe ist es kaum möglich, das Unternehmen zu bewerten und so einen Preis anzugeben. Stattdessen erfolgt die Teilnahme als Unterstützer einfach aus subjektiven Gründen. Mit den objektiven Gründen einer normalen Anlage hat das jedoch nichts gemein. Der Wunsch nach Rendite ist da, doch dieser ist meistens ein rein subjektiver Wert. Zwar betonen einige Plattformen, auch mit qualifizierten Anlegern zusammenzuarbeiten.- Das jedoch sei sehr zu bezweifeln. Diese werden auch in Zukunft kaum im Crowdfunding zu finden sein. Und wenn, sind diese eher die Ausnahme und prozentual kaum erwähnenswert.

Zudem sind oft im Crowdfunding teilweise nur lose Ideen zu finden, die kaum Substanz haben. Im klassischen Geschäft werden die Investoren mit einem Emittenten auch mittels aussagefähigen Unternehmensprospekten und Research Studien vertraut gemacht. Die Unterlagen, die beim Crowdfunding jedoch zur Verfügung stehen, würden in vielen Fällen nicht einmal annähernd das abdecken. Während also das klassische Bookbuildingverfahren im regulären Finanzmarkt zu einer wesentlich marktnäheren Beurteilung führt, kann es im Crowdfunding genau zum Gegenteil führen. So verwundert es oft auch nicht, dass viele Plattformen fantasievolle Wertigkeiten für Startups in diesem Verfahren ermittelt haben.

Auch die Anbieterplattformen beim Crowdfunding haben in den wenigsten Fällen einen wirklichen Background aus dem Finanz- und Beteiligungswesen. Denn diese beiden Bereiche unterscheiden sich doch enorm. Sicherlich bestehen auch hier Ausnahmen. Diese sind jedoch aktuell eher gering.

Jede Plattform hat ihren eigenen Ansatz

Die Plattformen handhaben das Bookbuildingverfahren auf sehr unterschiedliche Arten und Weise. Einige sind dabei sogar sehr fantasievoll. Das liegt auch an der fehlenden Erfahrung. Zudem erfolgt keine Aufsicht der meistens Crowdfunding Plattformen oder diese versuchen sich mit allen Tricks dieser zu entziehen.

Innovestment zum Beispiel versucht eine marktgerechte Bewertung ins Spiel zu bringen. Wobei das Wort „marktgerecht“ sicherlich für den Laien ebenfalls nicht ersichtlich ist. Die Anteile werden zum Beispiel versteigert. Dabei steigt der Preis, sofern eine größere Nachfrage seitens der User (wir haben hier absichtlich nicht das Wort Investoren oder Anleger genannt) in der Auktion vorhanden ist. Hierbei spielen fast überwiegend subjektive Gedanken eine Rolle, weniger objektive Werte und Zahlen. Auch wenn dieses Unternehmen durch eine höhere Mindestbeteiligung unerfahrene Anleger/User abschrecken will, ist das eher Augenwischerei. Selbst durch einen noch so hohen Mindestbeteiligungsrahmen lassen sich kaum erfahrene Anleger im Crowdfunding Bereich finden.

Dennoch muss man dem Crowdfunding zugute halten, das es sich quasi noch in den Kinderschuhen befindet. Es wird noch lange dauern, bis die einzelnen Plattformen erwachsen werden. Es ist also davon auszugehen, dass sich ein optimales Bewertungsverfahren erst in einem Zeitrahmen von mehreren Jahren entwickeln wird. Bis dahin sollten Unterstützer, Anleger, Investoren Bewertungen mit großer Vorsicht betrachten. In fast allen Fällen sind diese ohne jegliche Aussage und entsprechen eher einem Fantasiegedanken.

Nochmal für den Laien – Was ist Crowdfunding ?

Crowdfunding ist die neue Art der Finanzierung. Immer mehr junge Plattformen bietet Crowdfunding in sehr unterschiedlicher Art und Weise an. Mit Crowdfunding lässt sich für jede Art von Projekt Geld beschaffen. Ganze Geschäftsideen können beim Crowd Funding in nur kurzer Zeit umgesetzt werden. Mit teilweise nur kleinen Einlagen ( schon ab 5 Euro ) können User sich an Projekten und Ideen beteiligen. In der Regel stammen die User beim Crowd Funding direkt aus dem Internet.

So werden Projekte beim Crowdfunding auch generell nur im Internet aufgerufen. Alles bleibt elektronisch. Auch ein Punkt der erfahrene Anleger beim Crowd Funding abschreckt. Ein großes Problem ist nach wie vor die Bewertung der Startups bei den Crowdfunding Plattformen. Oft erfolgt die Bewertung mittels dem klassischen Bookbuilding Verfahren. Ein Mittel, das im Aktienmarkt zu finden ist, jedoch nur sehr bedingt in neuen Crowd Funding eingesetzt werden kann.

Ein Punkt, bei dem gerade unerfahrene User im Crowdfunding vorsichtig sein sollten. Oft täuscht die Bewertung einer Idee eines Startups leicht über den eigentlichen Wert und man fühlt sich wie in einem Märchen. Ein kleiner Schönheitsfehler dieser Idee. Leider wenden viele Crowd Plattformen dieses Bewertungsmittel ein. Unerfahrene User werden damit angelockt. Doch das kann man schnell als unseriös bezeichnen. So mal sich viele Crowdfunding Betreiber einer Aufsicht durch die BaFin entziehen und noch nicht einmal über eine erweiterte Gewerbeerlaubnis verfügen.

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